Hintergrund
Was Politiker mit ihren Wählern diskutieren – kurz vor den Wahlen
Der EU-Beitritt und die Wirtschaftskrise haben im letzten Monat vor den Wahlen nochmals richtigen Aufwind erhalten. Dies zeigt eine Auswertung von politnetz.ch, eine Plattform für Schweizer Politiker mit über 10‘000 Usern.
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Auf der Plattform können Bürger mit Politikern über Themen diskutieren, die ihnen unter den Nägeln brennen. Kurz vor den Wahlen beteiligen sich besonders viele Leute daran. Angemeldet sind 9653 Bürger und 2399 Politiker. «Die Hälfte aller kandidierenden Politiker sind in der Plattform aktiv», erklärt Gabriel Hase von der Geschäftsleitung von politnetz.ch.
Sie publizieren auf der Seite eigene Beiträge zu verschiedenen Themen. Diese Beiträge werden von Bürgern kommentiert. Immer wieder verfassten aber auch Bürger eigene Artikel. Im Verhältnis zur Anzahl der Politiker sei diese Anzahl aber noch klein, so Hase.
Ziel der Plattform ist es, eine Diskussion zwischen Politikern und Bürgern zu ermöglichen und so mehr Transparenz zu schaffen.
Vom Abflachen und Aufbäumen
Dauerthemen sind der EU-Beitritt, die Anerkennung eines palästinensischen Staates oder die Finanzkrise. Diskussions-Höhepunkte erreichen Themen, wenn aktuell etwas auf der Welt geschieht. Dies zeigen die Ausschläge in der Grafik von politnetz.ch. Beispiel ist laut Hase der Atomunfall in Fukushima, der seit vergangenem März stark diskutiert wurde, jetzt im Wahlmonat aber abgeflacht ist.
Die Finanzen seien unterschwellig immer ein Thema, so Hase. Auf der Plattform hat es aber nochmals Aufschub erhalten, wegen der Griechenlandkrise und der «Occupy Paradeplatz»-Bewegung. Heiss diskutiert wurde wegen des Wahlkampfs der EU-Beitritt, wie die Grafik zeigt.
Wie ist das Diagramm zu lesen?
Die Aktivität wird an der Anzahl der Kommentare gemessen. Die Beiträge werden unter 12 Hauptthemen verfasst. Darunter sind etwa Glaube, EU, Sicherheit, Integration, Wirtschaft oder Aussenpolitik.
Jeder Strang im Diagramm besetzt ein solches Thema. In Unterthemen werden diese konkreter: Kampfjets, UBS-Skandal, EU-Beitritt, oder etwa die Bankenkrise. Deshalb ändern sich die Themen in einem jeweiligen Strang in der Grafik.
«Viele Politiker platzieren einen Beitrag zu einem gewissen Thema meist schon, bevor es in den Medien diskutiert wird. Aber das Kommentieren kommt erst richtig in Fahrt, wenn die Medien darüber berichten», beobachtet der Geschäftsführer.
«Frage der Woche»
Mit der «Frage der Woche» nehmen die Macher der Seite Einfluss auf die Themensetzung. Mit einem Newsletter werden die Beitragsschreiber auf die Aktualität aufmerksam gemacht. Die Frage wird dann auf der Seite prominent platziert. «Soll die Schweiz die bilateralen Verträge zur Personenfreizügigkeit mit der EU abändern?» Antworten liefern derzeit Hans Fehr (SVP) Eric Nussbaumer (SP) oder Christian Wasserfallen (FDP).
Die Politiker schreiben gemäss Hase aber grundsätzlich über Themen, die sie selber bestimmen. Nicht alles finde Anklang. «Die Community entscheidet, ob sie es interessant findet und sie kommentieren will oder nicht.»
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Die Plattform politnetz.ch ist seit eineinhalb Jahren online. Sie wird laut den Machern auch nach den Wahlen bis auf Weiteres fortgesetzt.
